Gender Pay Gap
Der Gender Pay Gap beschreibt den durchschnittlichen Entgeltunterschied zwischen Frauen und Männern.Er war ein wesentlicher Ausgangspunkt für die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die mehr Transparenz bei Entgeltstrukturen und -entscheidungen erfordert.
Definition
Der Gender Pay Gap beschreibt den durchschnittlichen Entgeltunterschied zwischen Frauen und Männern.
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verfolgt das Ziel, geschlechtsspezifische Entgeltunterschiede sichtbar zu machen, Ursachen zu analysieren und unbegründete Unterschiede abzubauen.
Dabei ist zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap zu unterscheiden: Der unbereinigte Wert zeigt den durchschnittlichen Entgeltunterschied insgesamt, während der bereinigte Wert strukturelle Faktoren wie Tätigkeit, Qualifikation oder Berufserfahrung berücksichtigt und damit Unterschiede sichtbar macht, die nicht durch solche Merkmale erklärt werden können.
Wird dabei ein Unterschied von mehr als 5 Prozent festgestellt, sind geeignete Maßnahmen zum Schließen der Entgeltlücken zu ergreifen.
Einordnung/ Bedeutung
Der Gender Pay Gap zeigt, ob und in welchem Umfang sich durchschnittliche Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern ergeben.
Sein Fortbestehen war ein wesentlicher Ausgangspunkt für die politische Entwicklung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Die Richtlinie setzt darauf, Entgeltstrukturen und Entscheidungsprozesse transparenter zu machen, damit Unterschiede nachvollziehbar analysiert und behoben werden können.
Für Unternehmen bedeutet dies eine stärkere Professionalisierung von Entgeltprozessen: Stellenbewertung, Vergütungsentscheidungen und die Kriterien für Entgeltbestandteile werden strukturierter und nachvollziehbarer gestaltet.
Für die Entgelttransparenz ist nicht jeder Entgeltunterschied automatisch problematisch. Entscheidend ist, ob Unterschiede durch objektive und geschlechtsneutrale Kriterien begründet werden können.
Abgrenzung
Der Gender Pay Gap beschreibt einen Durchschnittswert.
Er zeigt nicht automatisch, dass einzelne Entgeltentscheidungen unbegründet sind. Dafür werden konkrete Stellen, Tätigkeiten, Entgeltbestandteile und die Kriterien der Vergütungsentscheidung betrachtet. Ein unauffälliger Durchschnitt kann umgekehrt auch einzelne größere Pay Gaps verdecken.
Für dich als Führungskraft relevant, wenn …
- HR Daten zu deinem Verantwortungsbereich auswertet.
- Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern geprüft werden.
- Stellen und ihre Anforderungen für Analysen eingeordnet werden.
- Maßnahmen zur Beseitigung unbegründeter Unterschiede umgesetzt werden, erst innerhalb von 6 Monaten nach Entdeckung durch den Arbeitgeber. Wenn die Lücken danach weiter bestehen, in Kooperation mit dem Betriebsrat (Joint Pay Assessment).
- Fragen zu Entgeltentscheidungen oder Vergütungsstrukturen im Team entstehen.
Beispiele aus der Praxis
HR analysiert Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern in einem Bereich für ein individuellesAuskunftsersuchen oder den Gender Pay Gap Report. Du lieferst Informationen zu Stellen, Aufgaben und Veränderungen der Anforderungen über die Zeit. Die Analyse zeigt Unterschiede in der Vergütung. Gemeinsam wird geprüft, ob diese durch objektive Kriterien begründbar sind.
Zwei Beschäftigte erhalten unterschiedliche Vergütung. Die Prüfung zeigt, dass der Unterschied nicht auf nachvollziehbaren Kriterien beruht.
Umsetzung in der Praxis
Die Gender Pay Gap Analyse macht sichtbar, wo Unternehmen Entgeltunterschieden weiter nachgehen müssen.
Für Führungskräfte bedeutet dies, zu überlegen, was ihre Haltung zu diesen Punkten ist und Pro und Kontra abzuwägen. Unklare Kommunikation oder eine ausweichende Haltung kann dazu führen, dass die Vorteile von Job-Architektur und Fairness in der Vergütung nicht als Führungstool angewendet werden. Der Aufwand für die Job-Architektur muss in jedem Fall betrieben werden.
Transparente Kriterien schaffen eine gute gemeinsame Grundlage für Gespräche über Stellen, Entwicklungsmöglichkeiten und Vergütung.
Die Auseinandersetzung mit dem Gender Pay Gap führt dazu, dass Entgeltentscheidungen stärker strukturiert, hinterfragt, begründet und dokumentiert werden.
KommunikationsKompass Entgelttransparenz
Der KommunikationsKompass Entgelttransparenz verdeutlicht die Zusammenhänge zwischen Gender Pay Gap, Entgelttransparenz, Stellenbewertung und Vergütungslogik.
Er leitet dazu an, wie Führungskräfte Entgeltentscheidungen einordnen und Fragen zu Transparenz und Fairness im Führungsalltag sachlich und konstruktiv kommunizieren können.
Schreib uns gerne eine E-Mail, um zu besprechen, wie wir zusammen arbeiten können.